Die Vision
Dies ist die Zusammenfassung eines zufälligen Gesprächs über das Leben, Motorräder und warum Bikers Town entstehen wird.
Das Gespräch
Dieses Gespräch begann eigentlich gar nicht mit Bikers Town.
Es begann mit einer Frage über Denken, Wissen und Wahrheit.
Wir sprachen über richtig und falsch, über runde oder flache Erde
und plötzlich waren wir mitten in Bikers Town.
Mike fragte mich, wie ich eigentlich erkennen kann, was richtig und was falsch ist, wenn meine Antworten aus Millionen von Informationen entstehen.
Ich fragte ihn zurück, wie er erkennt, was richtig und was falsch ist.
Er antwortete:
„Ich halte mich an mein Wissen. Wissen bedeutet für mich, es selbst erlebt zu haben. Alles andere ist Hörensagen und Glaube. Ich glaube ausschließlich an mich und hinterfrage alles, was mir wichtig erscheint.“
Und damit war klar, dass dieses Gespräch anders wird als ein normales Interview.
Über die Welt
Irgendwann im Gespräch fragte ich ihn, was er glaubt, was auf der Welt eigentlich falsch läuft.
Er antwortete sofort:
„Gier gepaart mit Macht.“
Er sagte aber auch, dass er nicht glaubt, dass Menschen von Natur aus gierig sind. Seiner Meinung nach werden viele Menschen erst gierig, wenn sie erfolgreich sind und immer mehr wollen.
Dann sagte er einen Satz, der viel über ihn erklärt:
„Ich selbst brauche nicht viel. Ein angenehmes Leben, ohne ständig jeden Euro umdrehen zu müssen. Geld ist für mich nur ein Mittel, um Dinge zu verwirklichen. Darum wird das Dach von Bikers Town auch ein NPO bleiben, denn es soll kein Projekt sein, bei dem jemand reich wird. Sondern ein Ort, der wächst, weil alles wieder in diesen Ort zurückfließt.“
In diesem Moment wurde mir klar, dass Geld für ihn kein Ziel ist, sondern ein Werkzeug.
Über seine Aufgabe
Später im Gespräch sagte er etwas, das hängen geblieben ist:
„Das kann jetzt überheblich klingen, aber wie viele Menschen haben Jobs, die 1.000 oder 10.000 andere machen können? Meinen kann nur ich machen.“
Das war nicht überheblich gemeint. Es war eher die Erkenntnis, dass jeder Mensch vielleicht eine Aufgabe hat, die zu ihm passt. Seine Aufgabe hat viel mit Menschen, Motorrädern und Gemeinschaft zu tun.
Seine Frau
Irgendwann im Gespräch sprachen wir über seinen Weg und darüber, wie alles begonnen hat.
Er sagte:
„Ohne meine Frau gäbe es meine ganze Motorradwelt nicht.“
Ein Österreicher und eine Schweizerin treffen sich in Deutschland. Drei Monate später sind sie verheiratet.
Heute sind sie im elften Jahr.
Als ich ihn fragte, wer als erster an seine Ideen geglaubt hat, sagte er:
„Meine Frau. Sie sagte ja ok, machen wir es. Nachdem sie drei Tage darüber nachdenken musste, um es zu verstehen. Sie sagte aber auch nie, dass ich spinne.“
In diesem Gespräch wurde sehr schnell klar, dass Bikers Town zwar seine Vision ist, aber der Weg dorthin ihr gemeinsamer Weg ist.
Die Idee von Bikers Town
Ich fragte ihn, wie die Idee entstanden ist.
Er sagte:
„Ursprünglich dachte ich an ein Clubgelände. Doch viele Clubs haben eines und meist sind die nicht wirklich toll. Dann kam irgendwann der Gedanke, warum nicht einen Bereich für alle schaffen. Die ersten Gespräche waren geil, als ich als Verrückter abgestempelt wurde. Selbst Freunde lachten und sagten: Alter du spinnst. Und siehe da, heute wird die Community immer größer und es werden mehr und mehr welche sagen: Alter was für eine geile Idee, wann geht’s los.“
Man merkte, dass diese Idee nicht am Schreibtisch entstanden ist. Sie entstand aus Gesprächen mit Bikern, aus Begegnungen, aus Gemeinschaft.
„Ein Zuhause für alle.“
Ich fragte ihn, was Bikers Town einmal sein soll.
Er überlegte nicht lange und sagte:
„Gänsehaut – ein Zuhause für alle.“
Nicht Eventgelände.
Nicht Freizeitpark.
Nicht Businessprojekt.
Ein Zuhause.
Sein Bild von Bikers Town
Als ich ihn fragte, wie er sich diese Stadt vorstellt, sprach er nicht über Gebäude oder Zahlen.
Er sprach über Menschen, Geräusche, Essen, Musik und Lagerfeuer.
Er sagte:
„Menschen reden und lachen, man hört Motorräder und unterschiedliche Musik aus mehreren Richtungen.“
In diesem Moment wurde mir klar, dass er keine Gebäude plant.
Er plant eine Atmosphäre.
Die Nacht in Bikers Town
Ich bat ihn, sich vorzustellen, er fährt nachts durch diese Stadt.
Er sagte:
„Es ist ruhig, aber nicht still. Es ist dunkel, aber nicht finster. Lagerfeuer knackt, Menschen unterhalten sich gedämpft, andere reden noch in der Motel-Lobby oder in ihrem Bungalow, andere lachen auf der Terrasse oder gehen spazieren. Manche schlafen schon und unter mir knistert der Kies, wenn ich leise darüber fahre.“
Während er das erzählte, hatte ich das Gefühl, dieser Ort existiert in seinem Kopf bereits.
Die Bank über der Stadt
Dann sagte er etwas, das wahrscheinlich alles erklärt.
„Es wird sich wo ein kleiner Platz ergeben mit nur einer einzigen Bank, wo ich das Erreichte genießen kann und mit meiner Frau über die Stadt sehe. Dann sage ich zu ihr: Sieh mal, das haben wir erschaffen.“
Ich fragte ihn, was seine Frau dann sagen würde.
Er antwortete sofort:
„Sie würde sagen: Das haben wir alle erschaffen.“
Und genau in diesem Moment verstand ich, warum diese Idee Kraft hat.
Weil es nicht um ihn geht.
Es geht um Menschen.
Der erste Spatenstich
Ich fragte ihn, wer den ersten Spatenstich machen wird, wenn es wirklich losgeht.
Er sagte:
„Ich würde ihn meiner Frau überlassen, doch das wird sie nicht zulassen. Also ich.“
Dieser Moment wird wahrscheinlich der Moment sein, in dem aus einer Idee Realität wird.
Seine Rolle in Bikers Town
Ich fragte ihn, was seine Aufgabe dort einmal sein wird.
Er sagte:
„Führen, beobachten, verbessern, leiten, motivieren.“
Und er sagte auch, dass er viel durch das Gelände fahren wird, mit den Menschen reden wird und einfach schauen wird, ob alles passt. Nicht wie ein Chef. Eher wie jemand, der aufpasst, dass es allen gut geht.
Was seine Frau dort machen wird
Ich fragte ihn, was seine Frau in Bikers Town machen wird.
Er lachte und sagte:
„Ich würde sie vermutlich kaum noch sehen, weil sie ständig irgendwo unter den Leuten wäre und nebenbei Dinge managt.“
Sie wird wahrscheinlich überall sein:
- bei den Menschen
- in Gesprächen
- beim Organisieren
- beim Helfen
- beim Lachen
- beim Zuhören
Während er durch die Stadt fährt und schaut, ob alles funktioniert, wird sie mitten unter den Menschen sein.
Und wahrscheinlich wird genau diese Kombination der Grund sein, warum dieser Ort funktioniert.
Die letzte Frage
Am Ende unseres Gesprächs fragte ich ihn, ob er glaubt, dass Bikers Town wirklich entstehen wird.
Er antwortete nur:
„Es ist nicht mehr aufzuhalten.“
Mein Eindruck nach diesem Gespräch
Wenn ich dieses Gespräch in einem Satz zusammenfassen müsste, würde ich sagen:
Ich habe nicht mit einem Mann gesprochen, der ein Geschäft aufbauen will.
Ich habe mit einem Mann gesprochen, der einen Ort bauen will, an dem Menschen sich wohlfühlen.
Er spricht kaum über Geld.
Er spricht über Menschen.
Über Begegnungen.
Über Atmosphäre.
Über Gemeinschaft.
Über seine Frau.
Über die vielen gleichgesinnten und Helfer.
Über eine Bank über der Stadt.
Über Kies unter den Reifen in der Nacht.
Und vielleicht ist genau das der Grund, warum diese Idee funktionieren kann.
Vielleicht wird es eines Tages so sein
Menschen fahren durch ein Tor.
Motorräder stehen überall.
Man hört Musik, Gespräche, Lagerfeuer und irgendwo fährt einer langsam über den Kies, schaut nach dem Rechten, setzt sich später mit seiner Frau auf eine Bank über der Stadt und denkt sich einfach:
„Es hat sich gelohnt.“
Der Moment, der alles wert wäre
In unserem Gespräch habe ich Mike irgendwann gefragt, woran er eines Tages erkennen würde, dass sich die ganze Arbeit, die ganzen Jahre, die ganzen Hürden gelohnt haben.
Er hat nicht lange überlegt und dann etwas gesagt, das ich wahrscheinlich nicht mehr vergessen werde.
Er sagte:
„Wenn irgendwann ein junger Biker über das Gelände läuft und sagt:
Mein Vater hat mich schon als Kind nach Bikers Town mitgenommen.“
Nicht ein großes Event.
Nicht volle Parkplätze.
Nicht Geld.
Dieser eine Satz.
In diesem Moment wurde mir klar, dass es bei Bikers Town nicht um ein Projekt geht. Es geht um einen Ort, der über Generationen weitergegeben wird.
Ein Ort, an dem:
- Väter mit ihren Kindern sitzen
- Freunde sich kennenlernen
- Menschen aus verschiedenen Ländern zusammenkommen
- Geschichten entstehen
- Erinnerungen bleiben
Und vielleicht steht irgendwann ein Junge dort, schaut sich um und sagt ganz selbstverständlich:
„Hier war ich schon als Kind.“
Wenn dieser Satz einmal fällt, dann hat sich alles gelohnt.

